Unsere Zuchtpläne für 2018

Man kann nicht immer nur darüber reden, man muss es auch tun…

In den letzten Monaten wurde einiges an Artikeln aus unserer Feder über Zuchtstrategien, den aktuellen Stand der Rasse und die Folgen verfehlter Zuchtpolitik  veröffentlicht. An dieser Stelle auch die Empfehlung, sich weiter auf der Greyhoundshow durch die Artikel bzgl. Gesundheit zu klicken – Barbara Thiel hat dort etliche sehr interessante Artikel über das aktuelle Zuchtgeschehen insbesondere in Hinblick auf Inzuchtzunahme und Populationsgenetik verfaßt.

Die Zukunft des Showtyps sieht demzufolge längst nicht mehr so rosig aus wie es vielfach gerne dargestellt wird. Der Genpool ist inzwischen bedrohlich eng, und dank unüberlegter Matadorzucht nimmt die genetische Diversität nach wie vor stetig ab.

Als Züchter einer zahlenmäßig sehr gering verbreiteten Rasse stehen wir damit in einer ganz besonderen Verantwortung. Jeder einzelne Wurf hat unmittelbar Auswirkungen auf die Zukunft der ganzen Rasse – und so steht jeder Züchter vor der Entscheidung, welchen Weg er einschlagen will. Den Weg auf „Nummer Sicher“ gehen, mit bewährten Verpaarungen erprobter Linien, mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Erfolg in Form weiterer mehr oder weniger garantierter Multichampions mit nahezu identischer Abstammung? Oder den Schwerpunkt ganz anders setzen, auf Erhalt seltener Blutlinien und Vergrößerung der genetischen Diversität im Rahmen des durch den Zuchtverband vorgegebenen Spielraums.
Der geneigte Leser mag sich in einer ruhigen Minute darüber Gedanken machen, welche Strategie für den Fortbestand der Rasse wohl die entscheidendere ist…

Waren schon die letzten beiden Rumford-Würfe bewußt abseits der derzeit populären Einheitsverpaarungen gehalten, wollen wir mit unserem nächsten Wurf noch einen Schritt weitergehen und wirkliches Neuland betreten. Für die Suche nach einer typgerechten Blutauffrischung gab es eigentlich nur ein Ziel: die Greyhounds, die noch am nächsten an der ursprünglichen Aufgabe stehen, die die Rasse in den vergangenen 3000 Jahren hat entstehen lassen. Das sind weder Bahnrennhunde noch lure-coursende Showgreys, sondern „echte“ Coursinghunde, die noch am Hasen eingesetzt werden.

Durch einen Hinweis einer Freundin in Irland (danke, Suzanne!) sind wir auf diesen beeindruckenden Kerl gestoßen: Mulboy King, gezüchtet und im Besitz der Fam. McCall.  Natürlich – das Foto ist eins, und die Realität manchmal eine ganz andere…
Also sind wir für ein paar Tage nach Irland geflogen, haben etliche Kilometer landauf, landab heruntergerissen, dabei mehrere Züchter und Deckstationen besucht sowie uns die Hunde bei der Arbeit angeschaut. Für uns „Pet“-Halter eine Erfahrung mit vielen Grautönen – schwarz/weiß gibt es nicht, das war eine wichtige Lernerfahrung.

Für uns Züchter das wichtigste: wir haben viele wirklich beeindruckende Hunde gesehen. Nicht alle „schön“ in Richter- und Ausstelleraugen, andererseits wurde aber auch so manch festgefahrene Ansicht bei uns  in punkto „anatomische Funktionalität“ etwas durcheinandergewirbelt. Gut so!
Wirklich mehr als positiv waren wir vom durchwegs sehr freundlichen Wesen aller Hunde, die wir gesehen haben. Riesige muskelstrotzende Rüden wurden entlang des Coursingfeldes von Kindern geführt – kein Hauch von Aggressivität oder Nervosität. In den Zuchtkennels begegneten uns nette, in sich ruhende Hunde. Kein Gekläff, kein hektisches Umherspringen angesichts der fremden Besucher…

Mulboy King wollten wir natürlich unbedingt „live“ sehen!  Ein Besuch bei seinen Besitzern stand daher zwingend auf dem Programm.

Das ist er also: ein Kerl von einem Hund!
Wie die meisten irischen Courser eher groß und kräftig – wir haben nicht nachgemessen, aber 75-76 cm Schulterhöhe dürfte er sicher haben, bei einem Körpergewicht von über 40 kg. Da ist kein Gramm Fett dabei!
Tolle Knochenstärke, sehr schöne Linien und Winkelungen – insbesondere Schulterlage und Oberarm hervorragend. Weder steil wie bei typischen Bahnrennhunden, noch schlaff und in sich zusammengesunken wie bei vielen Showgreys des derzeit modernen Typs.
In der Bewegung zeigte er sich leicht und geschmeidig, und im Verhalten war er Mensch und Hund gegenüber freundlich und eher abwartend.
Wir konnten auch einen Wurf Welpen von ihm und ein paar weitere Verwandte dort sehen – der Familientyp war unverkennbar, das macht ihn für uns umso mehr zu einer kalkulierbaren Größe.

Der Weg hat sich gelohnt, er ist genau was wir gesucht haben. Ein robuster „Arbeiter“, dennoch mit allen anatomischen Charakteristiken die der Rassestandard beschreibt.

Mutter des Wurfes soll noch einmal unser Schneckerl werden, die sich schon im vorhergehenden Wurf als instinktsichere Mutterhündin bewährt und ihren Achterwurf spielend bewältigt hat. Sie ist immer noch so fit und vital wie eh und je. Selbst eher auf der kleineren und eleganteren Seite glauben wir dass sie dier ideale Zuchtpartnerin für einen eher kräftigen Rüden darstellt. Wer jetzt Sorge um ihr Wohlbefinden hat – kein Anlaß, die Welpengröße wird durch das Platzangebot in der Gebärmutter bestimmt, nicht von der Größe des Vaters!

Wir erwarten ihre nächste Läufigkeit für das kommende Frühjahr.

Nachdem eine Einkreuzung von echten Coursinglinien in Showgreys unseres Wissens seit mindestens 80 Jahren (!!!) nicht mehr erfolgt ist, müssen auch wir selbst uns natürlich ein bißchen von den Welpen überraschen lassen. Da beide Eltern aus gut durchgezüchteten Linien stammen, wird die Nachzucht wohl recht homogen im Erscheinungsbild und liegt in Größe und Substanz in der Mitte. Farblich ist wieder fast alles möglich (außer schwarz und blau): rotgestromt und rot, eventuell Schecken, eventuell Blauverdünnung.

Auch für diese Welpen wünschen wir uns natürlich in erster Linie liebevolle Sofaplätze, würden uns aber freuen wenn der ein oder andere (insbesondere der Jungs) zumindest bis zur Zuchtzulassung begleitet wird – damit dieser Wurf auch tatsächlich einen Beitrag zur Genpoolerweiterung leistet und nicht in einer Sackgasse endet.

 

5 Gedanken zu „Unsere Zuchtpläne für 2018

  1. Eggerath AnnetteGabriele

    Das hört sich echt gut an. Es ist natürlich aufwendig. Als guter Züchter sollte man immer über den sogenannten Tellerrand schauen und in Generationen zurück und nach vorne schauen. Ich wünsche Euch viel Erfolg mit diesem Wurf.

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  2. Daniel Schölz

    Das hört sich ja ganz spannend an! Und vernünftig. Respekt für diesen wohl mutigen Schritt. Bin sehr, sehr gespannt auf das Ergebnis! Und alles Gute für das Schneckerl.

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  3. Mady

    Daumen hoch! Schön wenn auf Worte Taten folgen
    Ich wünsche alles Gute eem Wurf und hoffe dass sich auch andere an dieser vorgehensweise ein Beispiel nehmen

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